AQ-Verlag Literatur Kunst Photographie Nordistik Linguistik Computerlinguistik
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Agnès Rouzier

Tagebuch I & II

1977-1981

 

ISBN 978-3-942701-42-6

2019, 62 S., 11,90 €

 

 

 

Aus dem Vorwort:

 

Nur in wenigen Notizen beschreibt AR ihren persönlichen Zustand, ihre Krankheit und ihr tägliches Leben (etwa am 24. Juli 1977: Besonders glücklicher Tag). Die überwiegende Mehrheit der Notizen nimmt Bezug auf die Lektüre und auf die Auseinandersetzung mit «ihren» Autoren. Die Notizen stellen ein Leben vor, in dem die Literatur, als ein ununterbrochenes Schreiben, der wesentliche Bestandteil ist, in dem alles andere dem Schreiben untergeordnet ist: das Leben ist für AR nur lebbar und vorstellbar in der Auseinandersetzung mit dem Schreiben und in der Folge ist nur zu leben durch das eigene Schreiben, das Schreiben selbst.

 
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Schreiben: Erregung, dann Angst, Leere; vielleicht, weil das Schreiben einen gewagten Gedanken aussendet, der noch nicht der eigene ist: ein gleichsam noch nicht gedachter Gedanke: der Würfelwurf. Wenn ich schreibe, so ist das wie ein zukünftiges Ich, das ein wenig erschreckt, das spricht. Als würde ich mich jeder Sicherheit entledigen, um in die Spekulation einzutreten. Selbst mitten in der offensichtlichen Bestätigung zieht sie sich zurück. Alles ist Verlockung, nichts gibt Antwort. Selbst wenn ich beteuere: «ich glaube, das ist gut», spüre ich untergründig die Macht der Niederlage. «So dass alles geschieht, als hätte ich nicht geschrieben».

 

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            Langsamkeit. Man müsste einen «Essay» über die Langsamkeit schreiben. Alles was sich darum herum dreht. Eine Wörterliste für das Buch erstellen. Die Wolken am Himmel verschwinden. Die dreifache Linie der Hügel erscheint besonders klar. Mir geht es gut. Viel lesen, damit mich das Lesen umhüllt. Wenn ich könnte, gäbe es so viele verschiedene Vergnügen. Weshalb habe ich Samstag beim Erledigen einfacher Dinge die Nerven verloren - anstatt sie zu leben? Schuldgefühl? Aber warum? Einfache und reine Manifestation von Schizophrenie, aus der ich keinen Sinn ableiten kann.

 

*

 

            Die Langsamkeit. Aber manchmal die Arbeit beschleunigen, als einziges Mittel, darin völlig aufzugehen. Die Tage zusammenziehen. Sie verstärken: kein einziger Augenblick, um sich allein zu fühlen.

 

*

 

            Als würde allein der Tod, dein Tod, deinem Schreiben seine Kraft verleihen. Der einzige Wert des Dialogs. Tragödie und Neutrum.

 

            So weit wie möglich ins Dunkel gehen, das nicht Dunkel, das aber nicht Licht ist. Einmal noch das Schweigen, seine "Oberfläche". Einmal noch die Angst.

 

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